Die schwarzen Massen wälzten sich in der schon vormittäglich großen Hitze langsam in das schattige Kühl des Gründelparks, mitten im sächsichen Glauchau gelegen, immer weiter in Richtung Bühne. Schon seit um 10 Uhr am Morgen des 19. 7. wurden die Leute dorthin gelassen, wo später schätzungsweise fünf- bis sechstausend Menschen gestanden hatten. Während die meisten sich noch unter den Bäumen aufhielten, wo es einigermaßen zu ertragen war, so wir, bewiesen andere schon große Ausdauer, indem sie sich die erste Reihe sicherten. (Das Mädel, das später neben mir stand, hatte dort von Anfang an bis nachts um 1 ausgeharrt, nur, um Wolfsheim zu sehen. Respekt! :)) Trotz der vielen Schwärze im Publikum war es doch ziemlich „bunt“ gemischt, so sah man Punks und Goths, jene zwischendrin, ganz normale Menschen und auch einige grellpink-gehüllte J.B.O.-Fans, die damit natürlich sehr auffielen. Die Stimmung war trotz der Hitze gut – wer wollte schon Stress machen, wenn ihm so heiß war?! ;-)

Die Stimmung hob sich, nachdem der Moderator verkündete, dass bis jetzt alles prima gelaufen wäre und man deswegen sogar eine Viertelstunde früher beginnen konnte. Sowas kommt nicht häufig vor, deshalb schon einmal an dieser Stelle ein Lob an Organisatoren und Crew des Festivals. :)

Beim Opener Boo aus Südafrika lockte es auch uns dann unter den Blättern hervor in die sengende Sonne, denn schon durch das erste Lied waren wir einigermaßen überrascht und – zunächst – ein wenig verwirrt. Der agile schlanke Sänger und gleichzeitig Bassist machte da so merkwürdige, aber interessante Geräusche, die im entferntesten an einen Affen erinnerten, aber irgendwie kaum zu beschreiben sind. Muss man mal gehört haben! Am ehesten erinnerten uns seine Laute noch teilweise an P.G., den Sänger der Merlons Lichter, doch auch diesen Vergleich verwarfen wir schnell wieder, denn irgendwie war es doch etwas ganz Anderes. Aber naja, wir suchten nicht länger nach Vergleichbarem, sondern genossen vielmehr die Musik und ließen uns wie ein paar andere Menschen vor der Bühne etwas mitreißen. Der Sound – bestehend aus Bass, Schlagzeug, Keyboard, Trompete und Posaune (!) – erinnerte ein wenig an die Red Hot Chili Peppers, doch die Blasinstrumente setzten dabei in der sommerlichen Musik vollkommen neue und interessante Akzente. Der Sänger mühte sich ab, ein paar Sätze auf Deutsch zu sagen, die er sich vorher aufgeschrieben hatte. Dabei lobte er das Publikum, denn in Südafrika würde man für verrückt erklärt werden, schon um 11 Uhr am Morgen zu einem Rockfestival zu gehen.
Auch der originellste und zugleich auch blödeste Spruch des Tages geht auf die Kosten Boo’s: „Wenn ihr uns mögt, ruft „Boo!“, wenn ihr uns nicht mögt, ruft „Boo!““ Haha. ;-§ Jedenfalls hat die Band Boo durch ihre Originalität den Titel „Woodstage Newcomer 2003“ mit Sicherheit verdient, auch wenn sie viele Leute noch nicht aus ihren Schneckenhäuschen locken konnten. Verständlich, bei diesen Temperaturen und der Sonne, die auf den Platz vor der Bühne platzte…

Ganz anders sah das dann schon bei Letzte Instanz aus, die sich über Mittag für viel zu kurze Zeit die Ehre gaben. Da waren es dann schon einige Menschen mehr vor der Bühne, die dann sogar pogten. (Andere hätte da eher ’nen Kreislaufkollaps bekommen…) Aber kein Wunder bei dieser Band, die soviel Dynamik und Charme hat, dass man eigentlich überhaupt nicht ruhig stehen bleiben kann. Die Band absolvierte an diesem Tag gleich zwei Auftritte gleichzeitig, sie traten nämlich am gleichen Abend noch beim Irrfahrtfestival auf. Sänger Robin verzauberte also an diesem Tag noch mehr Menschen mit seiner unbeschreiblichen Stimme – die Glücklichen…
Jedenfalls rockten die 8 Jungs ganz schön zu einige Stücken von ihrem letzten Album „Kalter Glanz“ und spielten auch ein paar von ihrem im September erscheinenden neuen Album „Götter auf Abruf“, zum Beispiel „Salve Te“. Zu Songs wie „Kalter Glanz“, „Mein Todestag“ oder „Rapunzel“ mit ihrer Mischung aus Geige, Cello und natürlich Metal gab’s für Fans und Band kein Halten mehr. Eine wahnsinnige Stimmung. Besonders überrascht war ich von dem süßen kleinen Geiger namens „Mutti’s Stolz“, der mit seiner Violine wie wild rumsprang und dabei so gut wie jeden Ton traf. Anders sah’s bei Bassist F.X. aus, der die ganze Zeit nur da stand und spielte. Vielleicht ahnte er schon, dass er sich am gleichen Abend in Helbra beim nächsten Festival verletzen würde?! Gleiches wäre dem zweiten Sänger Holly fast passiert, als er beim Hopsen über ein paar Stecker stolperte und sich dabei der Länge nach hinlegte. Nochmal Glück gehabt, dass dabei nichts passiert war.
Für mich und viele andere waren die Instanzler ein Highlight des Festivals, schade, dass sie nur 40 Minuten Zeit hatten. :(

Nun waren nach der Umbaupause De/Vision an der Reihe. Sie lieferten sehr nette elektronische Musik, unter der die Stimmung im Publikum wenig litt, auch wenn nicht mehr so viele pogten und tanzten. De/Vision waren auch die ersten, die sich ernsthaft verspielten. Gekonnt überbrückte der Sänger aber den Fehler des Schlagzeugers, der an diesem Tage zum ersten Mal mit der Band auf der Bühne stand. Kein Beinbruch also. :)

Auf Blutengel, die ihren Auftritt zwischen 14.15 Uhr und 14.55 Uhr hatten, hatte ich mich besonders gefreut, weil ich sie vorher noch nie live gesehen hatte. Doch leider wurde ich ziemlich enttäuscht. Die Musik kam ausschließlich vom Band, ok, das konnte vielleicht noch toleriert werden. Dann kamen die Mädels auf die Bühne, die für den Showteil verantwortlich waren, denn wenn keine Musiker zu sehen sind, muss man dem Publikum ja schließlich auch etwas Visuelles bieten. Die beiden brachten ihr „Unschuldiges kleines Mädchen in weiß und Böser Mann in schwarzer Kutte“-Spielchen auch ganz nett rüber. Natürlich wurde dabei schon etwas Haut gezeigt. Naja, das ging ja noch. Aber dann kamen Sänger Chris Pohl und seine Freundin Constanze, welche die Hälfte des weiblichen Gesangs übernimmt, auf die Bühne und begannen zu singen. Während Mastermind Chris noch ein wenig Charme und Stil rüberbrachte und den tiefen Gesang der CDs noch einigermaßen auf der Bühne verwirklichen konnte, klang seine Freundin eher wie eine verschreckte Krähe. Wirklich, wenn diese Frau etwas nicht kann, dann ist es Singen! Da kann die Musik noch so schön sein, aber dies brachte alle Schönheit zum Dahinschmelzen. Naja. Einen Song später kam dann auch die zweite Sängerin auf die Bühne. Und die hatte wenigstens was an, im Gegensatz zu ihrer Partnerin, die sich kurz zuvor ihres Ledermantels entledigt hatte und jetzt nur noch im knappen Stringbikini und einem durchsichtigen Kettenkleid dastand. Da schüttelt jede Frau den Kopf und sagt sich, naja, wenn sie nicht singen kann, muss sie mit dem Hintern wackeln, damit wenigstens die Männer noch zufriedengestellt werden. Nicht nur ich fand das ziemlich niveaulos und zugegebenermaßen peinlich. Während Constanze mit ihren Highheels, dickem Make-Up und fast nackt über die Bühne stolzierte, mühten sich die beiden Tänzerinnen im Hintergrund ab und taten alles, um das Geschehen auf der Bühne interessant zu halten. Dabei hatten sie zwar auch nicht gerade viel an, aber sie waren ja schließlich nicht für den Gesang zuständig, sondern für den Visuellen Part. Da verhielt sich das etwas anders und auch ich konnte mich für die Show der Mädels begeistern. Ob nun kitschigerweise mit Kunstblut rumgespritzt wurde (bei dem Kultsong „Bloody Pleasures“) oder der Metalslip des Mädels mal eben mit einem Winkelschleifer aufgetrennt wurde – alles war dabei. So absolvierten Blutengel ihre gesanglich-musikalisch etwas fragwürdige, aber visuell sehr interessante Show mit Hits wie „Die with you“, „Weg zu mir“ (Was für ein grässlicher Gesang der beiden Sängerinnen, sorry, aber ohne Chris seid ihr für ein gutes Gehört beinahe unerträglich.) oder „Run away“. Für die einen ein Highlight des Tages, zumal sich Blutengel nicht oft die Ehre auf der Bühne geben, für die anderen eher eine Enttäuschung. Die schmale Gratwanderung zwischen Kunst und Geschmacklosigkeit müssen sie wohl erst noch lernen – oder einfach mal musikalisch mehr bieten, damit sie nicht nur auf halbblose Brüste und andere Körperteile zurückgreifen müssen.

Nach 40 Minuten war dann der blutige Vampirspuk vorbei und man widmete sich wieder ernsteren Dingen. Oomph! waren am Zug – und wie! Schon beim Soundcheck heizte der etwas verquere und kranke Sänger das Publikum kräftig an, sodass es dann beim Auftritt der Band keinen Halt mehr kannte. Ehrlich, sowas habe ich noch nicht ehrlebt! Die Leute pogten wie wild und mit einer Ausdauer, dass es einfach kaum zu beschreiben ist. Was für eine wahnsinns Stimmung! Die Mädels hatten dabei aber eher wenig zu lachen, denn man wurde hin und her geschubst und immerzu ziemlich unsanft an das Gländer gedrückt. Das gehört zwar bei jedem Konzert dieser Art dazu, aber das war schon echt heftig! Von den Divern mal ganz zu Schweigen, von denen mir einer – als Krönung sozusagen – auf den Kopf viel. Naja, wer gute Musik hören will, muss leiden, oder so. *g* Und gut war die Musik auf jeden Fall. Mit ihrem sehr harten und elektronischen Sound vermochten Oomph! auch noch die Leute in den hintersten Ecken des Gründelparkes zu bewegen. Und heiß war es natürlich an diesem Nachmittage und Benni, der Cellist von Letzte Instanz, machte sich einen Spaß daraus, die Leute mit dem Wasserschlauch zu bespritzen. Der Sänger von Oomph! in seinem roten Anzug mit der schwazen Krawatte jedoch feuerte das Publikum dermaßen an, sodass die wilde Stimmung den ganzen Auftritt der Band bestehen blieb. Sogar, als die Zeit von Oomph! vorbei war und die Leute nach einer unmöglichen Zugabe brüllten, blieb der sehr engagierte Sänger in der Umbaupause on stage und heizte die Massen weiter auf, doch es half nichts. Zugaben waren nicht eingeplant, that’s life…
Aber was für ein Auftritt! Fantastisch! Ich bin wirklich sehr begeistert von der Energie und Wirkung dieser Band. :)

Infolge meiner Verausgabung bei genannter Band musste ich mich nun erstmal ein wenig erholen und zog mich zu diesem Zwecke in den Wald zurück. Demzufolge sah ich den Auftritt von Such a Surge nicht, sondern hörte ihn nur, was mir aber auch vollkommen ausreichte. Ich mag diese Art von Musik nicht sonderlich (also, harte Musik mit Rap) und glaube auch nicht, dass die Band richtig in das Billing des Festivals gepasst hat. Doch sogar recht viele der Anwesenden schienen anderer Meinung gewesen zu sein und feierten Such a Surge was das Zeug hält. Muss wohl auch sehr chaotisch zugegangen sein da vorne, so, wie ich das mit angesehen habe. Naja, es ist schön, wenn es einigen der Anwesenden doch gefallen hat – die meisten Goths jedoch zogen sich zwischen 16.15 Uhr und 16.55 Uhr eher vornehm zurück.

Doch bei Covenant aus dem hohen Norden ging’s dann wieder richtig rund. Viele Fans hatte die symphatische Industrialband angezogen. Da nun außerdem die Sonne auch nicht mehr auf den Platz vor der Bühne schien, war die Stimmung noch wesentlich angenehmer geworden (und ich konnte meinen Sonnenbrand begutachten :-S). Mit zwei Keyboardern – einer im weißen, der andere im schwarzen Anzug – und einem Sänger – weißer Anzug mit passendem Hut – bewaffnet, bildeten sie einen weiteren elektronischen Höhepunkt des Tages. Der Sänger überzeugte mit seiner sehr angenehmen und ruhigen Stimme und besonders bei dem Hit „Call the ships to port“ ging es im Publikum richtig ab. Man merkte sichtlich, dass es der Band Spaß machte.

Ein krasser Stilsprung bahnte sich nun mit Phillip Boa and the Voodooclub an, auf die sich sehr viele – darunter auch ich – besonders freuten. Denn Ex-freundin und -sängerin von Sänger Boa stand endlich wieder mit auf der Bühne. Die hübsche Pia hatte nach der Trennung von ihrem Freund vor einigen Jahren die Band verlassen und war nun endlich wieder für diesen Auftritt zurückgekommen! Viele viele Fans waren deswegen angereist und wurden auch nicht enttäuscht. Die Band rockte mit ihren Kultsongs „Kill your ideals“, „This is Michael“ und „I dedicate my soul to you“ so richtig ab und überzeugten das Publikum voll und ganz. Auch hier wurde sehr viel gepogt, doch an die Wildheit der Leute bei Oomph! konnten sich an diesem Tage auch Philipp Boa and the Voodooclub nicht messen. Dennoch war die Stimmung riesig und es machte sehr viel Spaß, der Band auf der Bühne zuzuschauen, auch wenn ihnen selten mal ein Lächeln übers Gesicht huschte. Boa wirkte durch die Sonnenbrille eher kühl, aber dennoch engagiert; Sängerin Pia habe ich die ganze Zeit nur einmal lächeln gesehen. Naja, vielleicht ist sie ja doch noch nicht so ganz überzeugt bei der Sache. Es kam mir so vor, als wäre die Stimmung zwischen ihr und ihrem Ex immer noch ein wenig eisig, denn als die beiden sich auf der Bühne über den Weg liefen, schienen sie eher erschrocken und abweisend zu reagieren. Naja, das soll uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren. Viel wichtiger ist, dass diese Kultband einen tolle Show abgeliefert hat und dass man sich das öfters mal antun kan – ob nun mit Pia oder ohne.

Und wieder ein Stilsprung. J.B.O. – die den Auftritt von Phillip Boa auch interessiert hinter der Bühne verfolgt hatten – waren wohl die Exoten des Festivals schlechthin. Verwunderlich war es also nicht, dass sich das Publikum vorne ziemlich rar machte und dafür die wenigen rosagewandeten vorrückten. Jetzt war wenigstens mehr Platz. ;-)
J.B.O. verstellten sich nicht und versuchten mit ihren altbekannten Blödelein und ihrer Mischung aus Metal und Blödsinn zu überzeugen. Dem richtig tiefschwarzen Goth konnten sie sicher nicht bis ins Herz vordringen, doch ich bin mir sicher, dass sie doch einige Leute bekehrt haben, die sie vorher noch nicht so gemocht hatten. Leider leider gibt es bei J.B.O.-Konzerten vermehrt ziemlich unsymphatische Typen, die mit ihrem Biergestank und ihrem unfreundlichen Lallen ihre Nachbarn nerven. So auch hier der Fall. Ein etwas älterer Herr, der bei der Hitze wohl doch lieber das ein oder andere Bier weniger hätte trinken sollen, drängte sich bis vor zu mir in die erste Reihe und meinte, er wolle nur ein einziges Foto machen – naja, dann stand er halt das ganze Konzert über neben mir und beengte mich und meinen ehemaligen Nachbarn physisch und durch sein Verhalten. Aber naja, was will man schon machen. :)
Der nette Mann konnte allerdings unseren Spaß an J.B.O. nicht schmälern, die eine nette Abwechslung an diesem Tage waren. Sie absolvierten ein gekürztes Konzertprogramm mit alten Knallern wie „Ällabätsch“, „Kuschelmetal“ und „Mei Alde is im Playboy drin“. Natürlich spielten die Franken auch neue Stücke vom letzten Album „Rosa Armee Fraktion“, zum Beispiel „Ich vermisse meine Hölle“, „Girls Girls Girls“ und „Arschloch und Spaß dabei“, bei dem das „Hu hu“ diesmal nicht so hoch, sondern eher tief und gruftig ausfallen sollte, wie Sänger und Gitarrist Hannes uns bat. Denn schließlich war das ja ein Gruftifestival. So. ;-) Das klappte aber irgendwie nicht so ganz, weil tief und sehr laut irgendwie nicht geht und so musste Hannes sich mit einer leiseren Variante zufrieden geben. Für „Ein guter Tag zum Sterben“ – dem vorletzten Stück – wurde dann auch ein passender Sündenbock gefunden, bei dem die Party steigen sollte. Ein süßes zierliches Mädel, das auf den Schultern eines größeren Mannes saß, wurde von Vito aufgefordert und landete dann auch irgendwie auf der Bühne (wobei die Securities wenig darauf achteten, ihr Minikleid nicht hochzuschieben. Das arme Ding. *gg*). Ganz eingeschüchtert stand sie dann da und wusste sich irgendwie kaum zu helfen, als die Jungs mit ihrem blödsinnigen Charme daherkamen, dem man altbekannterweise sehr wenig entgegensetzen kann. Schließlich durfte sie sich dann zu Wolfram ans Schlagzeug gesellen, was ihr sichtlich besser gefiel, als ganz vorne bei Sänger Vito im Rampenlicht zu stehen. Und so spielten sie das Lied zu Ende und dann noch „Verteidiger des Blödsinns“ und dann war das rosa Pünktchen Spaß auch schon wieder vorbei und Schwärze umhüllte erneut Bühne und Publikum.

Mir gefiel das dann trotz des netten Auftritts von J.B.O. sehr gut, denn eine meiner Lieblingsbands konnte ich nun endlich einmal live bewundern. 18 Summers, ehemals die Kultband Silke Bischoff, spielten an diesem Tage einen von ganzen zwei Auftritten im ganzen Jahr 2003. Für mich und viele andere das größte Highlight des Tages, denn diese Band gibt sich wirlich sehr selten live die Ehre. Aber dafür dann richtig und unvergesslich schön. Mit ihrer Mischung aus Dark Wave und Synth-Pop bilden sie seit Anfang der 90er eine Art Urgestein in der Gothic und Elektronikszene, bis vor kurzem noch unter dem Namen Silke Bischoff. Mastermind und Sänger Felix Flaucher ist außerdem durch seine schaurig schönen Fotografien bekannt, die auch die Booklets der CDs zieren und immer eine außerordentliche Atmosphäre herzaubern.
18 Summers boten an diesem Abend zwischen 20.35 Uhr und 21.25 Uhr all das, was Blutengel vorher nicht konnten: sie konnten singen, sie spielten Instrumente und sie erzeugten eine wunderschöne Stimmung durch ihr großes Charisma, obwohl sie alle eher nicht zu den schönsten Menschen Deutschlands gehören. Das machte für mich die Band an diesem Tag noch viel symphatischer.
Instrumental wurden sie von einem Keyboard und einer akustischen Gitarre (gespielt vom zweiten Bandmitglied und Gitarrenexperte Frank) begleitet. Den weiblichen Backgroundgesang bildete die schon von früheren Auftritten bekannte Gastsängerin, die viel mehr durch ihre schöne und passende Stimme überzeugte, als durch ihr Aussehen (Was jetzt nicht heißen soll, dass sie schrecklich ausgesehen hätte, das nicht. :)). Und dann natürlich Felix Flaucher – dieser Mann kann durch seine Mimik, Gestik und durch seine samtzarte und ausdrucksstarke Stimme eine Atmosphäre erzeugen, wie sie in dieser Szene einzigartig ist. Der etwas beleibtere und kahlköpfige Typ weiß durchaus künstlerisch zu überzeugen und muss sich keiner besonderen Bühnenshow bedienen, um umjubelt zu werden. Sehr ehrlich und herzlich wirkt der ganze Auftritt der Band und ebenso wurde dies von den Fans erwidert, die sich schon so auf dieses seltene Ereignis gefreut hatten.
18 Summers eröffneten mit „Felix in the sky“, einem Song, der sehr bewegt und zu dem sogar ein Video gedreht wurde. Es folgten die Songs „Turn off the radio“, „Virgin Mary“ und „Sensation white“, die allesamt eine gefühlvoll-melacholische Atmosphäre erzeugten und mich teilweise an den Rand der Selbstbeherrschung trieben, sodass ich eine Träne gerade so unterdrücken konnte. Weiterhin bot die Band „Girl of 18 Summers“, „Phoenix from the flames“, „Daddy’s coming home“ und schließlich die beiden sehr alten und wohl auch am begehrtesten Stücke „I don’t love you anymore“ und „On the other side I’ll see you again“. Dies war nun der krönende Abschluss dieses einmaligen Auftritts, den 18 Summers wohl nicht viel besser hätten gestalten können. Sehr dankbar und glücklich verzogen sich nun viele Fans, darunter auch wir.

Da wir nun schon seit halb 11 am Morgen fast durchgängig gestanden hatten, verließen wir unseren Platz ganz vorne und machten den Fury in the slaughterhouse-Fans Platz. Diese Band bot nun von 21.55 Uhr bis 22.55 Uhr ihr hitgeladenes Programn dar. Durch den hohen Bekanntheitsgrad der Musiker wurde es vor der Bühne nun wieder ziemlich voll und die Stimmung war gut, wie wir ein Stückchen abseits vom Wald aus beobachteten. Eine Stunde lang feierten die Leute zu durchaus tanzbarer Musik mächtig, doch mir war nicht mehr nach tanzen zu mute, denn der Tag hatte bis dahin schon ziemlich geschlaucht. Und so war es wohl auch einigen anderen Leute ergangen, die schlafend oder dösend im Wald ausharrten und auf den heißersehnten Auftritt von Wolfsheim warteten.

Tja, und dieser kam dann schlussendlich auch und zum letzten Mal versammelte sich die schwarze Masse. Diesmal waren wohl auch so gut wie alle Leute nach vorne gekommen, denn der Auftritt der Kultband Wolfsheim sollte das unumstrittene Highlight des Festivals werden. Eine neue Bühnendeko hatte die Band auch mitgebracht und zwar große weiße Würfel, in denen Lampen eingebettet waren, die in den verschiedensten Farben leuchteten und somit die Bühne interessant drappierten.
Auch wir gesellten uns wieder in Richtung Bühne, wo wir etwas am Rand, aber ziemlich weit vorne auf den Auftritt von Wolfsheim warteten. Und nach der etwas zu langen Umbaupause war es dann auch so weit. Peter Heppner und seine Kollegen betraten die Bühne und er begrüßte uns mit den überflüssigen Worten: „Hallo, wir sind Wolfsheim.“ Darauf tobte die Menge natürlich und es wurde wieder ziemlich eng da vorne, woraufhin ich mich wieder in den Wald verzog, um mir den Auftritt von Wolfsheim von dort aus anzuhören. Denn visuell boten die Jungs nicht besonders viel – Heppner stand an einer Art Rednerpult und sang, die Würfel blinkten herum. Und so beschränkte ich mich auf das Hören. Doch irgendwie hätte ich mehr erwartet; erschreckend ausdruckslos und langweilig kam mir der Gesang vor, unverändert und ohne Variationen die elektronische Musik. Und so schien es auch etlichen anderen Fans zu ergehen, die vom Auftritt ihrer Lieblingsband mehr Dynamik erwartet hätten. Schon während des Konzertes waren die Kritiken nicht wirklich gut und auch im Nachhinein habe ich nur schlechte Resonanz gehört. Naja, vielleicht haben die Herren Wolfsheim ja jetzt genug Geld, da sie neben Big Brother- und Popstarallstars auf Viva gespielt werden und auf Samplern erscheinen, aber hier konnten sie nicht mehr wirklich überzeugen. Andere Bands hätte meiner Meinung nach den Headlinertitel und die damit verbundene Gage an diesem Abend mehr verdient als Wolfsheim. Doch auch das ist Ansichtssache und ich bin sicher, dass es einigen Leuten sicherlich gut gefallen hat. Mir und vielen anderen war es allerdings zu unspektakulär, es steckte zu wenig Herzblut im Auftreten von Wolfsheim.

Und so verließen wir auch schon einige Lieder vor Schluss das Gelände, um dem allgemein drohenden Verkehrstau zu entrinnen und ließen Wolfsheim sein, was sie sind.

Was lässt sich nun abschließend zu diesem Festival sagen? Also, ich muss eingestehen, fast nur Gutes. Die Stimmung war immer gut, die Leute fast durchgängig nett, es hat nicht geregnet. Die Securities waren sehr engagiert und versorgten uns in den heißen Nachmittagsstunden unermüdlich mit Wasser und waren sehr umsichtig, was die Diver anging. Als mir der eine auf den Kopf fiel, fragten sie 2 mal nach, ob es mir auch wirklich gut ginge und hätten mich um ein Haar zu den Sanis gebracht. Auch diese leisteten vorzügliche Arbeit und versorgten die vornehmlich weiblichen Personen, die aus der Menge gefischt wurden, weil sie zusammengebrochen waren. Dies kam nicht selten vor bei dem Gedränge in der Hitze.
Was mir nicht so gefallen hat, war natürlich die Sonne und dann die unglaublich hohen Getränkepreise, wie man sie von solchen Festivals kennt. Ansonsten war alles sehr schön, alles gut organisiert, die Location war durch ihre Großflächigkeit und die zahlreichen Schattenplätze perfekt für diese Veranstaltung geeignet und die Bands waren natürlich zum größten Teil alle vorzüglich. Es kam zu keinen größeren Pannen, fast nichts lief schief. Was soll man noch sagen? Ein fantastisches Festival mit fantastischen Bands, einer fantastischen Crew und fantastischem Publikum. Mir bleibt nur zu sagen: bitte nächstes Jahr von gleicher Qualität! Einfach spitze! :)

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