Es war Stadtfest bei uns in Zella-Mehlis und diesmal kündigte man am Sonntag eine Band der etwas anderen Art an: Lecker Sachen aus Köln. Etwas verwirrt war ich, als ich auf den Plakaten etwas von Folkhippop las. Naja, klingt ja ganz lustig, und so hab ich mir die Jungs mal angeschaut.

Erwartungsgemäß war der Bürgerhaushof mit seiner winzig kleinen Bühne anfangs nicht sehr gefüllt, was sich aber im Laufe des Abends noch ändern sollte… Die Musiker an sich sahen für den Anfang schon mal sehr interessant aus: Frontmann mit Wollmütze und dicker Brille, Bassist mit ellenlangen Dreads und einem sehr eigentümlichen Kleidungsstil und im Kontrast dazu eine zierliche, unscheinbare Blondine an der Fiddel. Nun denn, Frontmann und Vokalist Herr Be machte von Anfang an einen sehr sympathischen Eindruck und schaffte es auf lockere Weise, die etwas konservativen Zella-Mehliser und -Mehlissen aus ihren Schneckenhäuschen zu locken. War ich mit meiner mehr oder weniger Anti-Hip-Hop-Haltung von vorneherein etwas voreingenommen, stellte sich schon beim ersten Song heraus, das meine bösen Vorahnungen vom rappenden Egotripp in Person vollkommen unbestätigt blieben. Das „Gedudel“ von Lecker Sachen ergab eine sehr interessante Mischung aus Folk- und Hip-Hop-Elementen.Dabei sei aber gesagt, dass sich dieser Hip-Hop und der gemeine Chart-Hip-Hop doch um Meilen unterscheiden: Stellen sich beim „normalen“ Menschen beim Begriff Hip-Hop die Nackenhaare auf, ist bei Lecker Sachen genau das Gegenteil der Fall: Fließende Beats vemischen sich mit den zarten Geigenklängen und nicht zuletzt mit den eingänglichen Texten. Wow, dachte ich, so was hättest du jetzt nicht erwartet. Die Band lieferte eine überaus natürliche, mitreißende Partystimmung, wobei man ihnen die Liebe zur Musik deutlich anmerkte. Kein Schnickschnack, einfach nur Musik, die aus dem Herzen kommt und direkt in die Füße geht. Lecker Sachen schlagen eine Brücke, zwischen zwei Musikrichtungen, die „von ganz unten“, aus dem tiefsten Inneren kommen – sowohl Hiphop als auch Folk.

Nicht nur musikalisch ein Ereignis, sondern auch von den Texten ehrlich und gefühlvoll, begeisterten mich Lieder wie „Über’s Meer“ oder „Ich lieb dich immer noch“;. Aber auch lustig-ironische Sachen wie „Tief unten im See“, wo es darum geht, dass der Sänger nicht genügend auf den Fisch seiner Freundin aufpasst und dieser dann verreckt (ein echt irres Stück), ließen die Stimmung bald besser werden. Zwischendurch spielten Lecker Sachen immer wieder tanzbare Reels und Jigs, die aber durchaus verspielt und modern waren. Markus „Herr Be“ schaffte es dann sogar, einen ganzen Haufen Leute vor die kleine Bühne zu bringen, die sich dann dort regelrecht austobten. Man merkte sichtlich, dass es der Band Spaß machte, die paar Leute zum mitsingen und -dudeln zu bewegen. Interessant fand ich auch die Instrumente: Schlagzeug, Bass und Fiddel, aber auch eine Mandoline (in Form einer Gibson Les Paul, so was hab ich noch nie gesehn!) und eine große Anzahl verschiedener Whistles und Flöten gaben der Musik einen einzigartigen Charme. Dabei konnte selbst einem Folk-Purist nicht langweilig werden.

Nach ca. 2 Stunden war das Spektakel dann aber leider schon vorbei. Lecker Sachen ließen sich schließlich noch dazu überreden, 2 Zugaben zu spielen. Für mich war dies ein unvergesslicher Abend. Ich hätte niemals gedacht, dass es noch solch aufregende Musik gibt, denn irgendwie ist heute ja alles grau… Und ich hätte auch nie gedacht, dass ich einmal etwas für Hip-Hop übrig haben könnte – um es mit den Worten des ehemaligen Folkies Herrn Be auszudrücken: „Ich habe immer gesagt, Hip-Hop ist keine Musik.“ Tja, nun bin ich um einige Erfahrungen reicher geworden und meine Toleranzgrenze hat sich zudem um einiges nach hinten verschoben. Vielen Dank, Lecker Sachen, für diesen tollen Abend und hoffentlich bis bald! :)

Links:

Homepage von Lecker Sachen

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