Cover: Götz Widmann - Zeit
Cover: Götz Widmann - Zeit

Ich darf ihn mal als „König der Liedermacher“ bezeichnen. Keiner schafft es so geniale und tiefgründige Texte zu schreiben wie er. Von wem ich rede? Von Götz Widmann, dem Ex-Joint-Venture aus Bonn. Mit seiner Akustik-Gitarre bewaffnet tourt er unaufhaltsam durch die Lande und vermag in jeder Stadt eine Begeisterung zu entflammen, die man nur schwer beschreiben kann. Man muss den Songwriter Götz Widmann einfach mal erlebt haben. „zeit“ (erscheint am 13.10.2004) ist nun sein drittes Album als Solokünstler auf dem er beweist, dass er seinen ganz eigenen Stil entwickelt hat. Alle 13 Songs auf dem Silberling zeigen, dass Götz drei Talente besitzt: texten, komponieren und unterhalten. Dabei bringt er wie gewohnt Wahrheiten des Lebens auf den Punkt, aber diesmal hat er sich musikalisch meiner Meinung nach selbst übertroffen. Fast schon chansonhaft wird die so geschätzte und allseits beliebte Satire verpackt.

Künstler:

Götz Widmann – Gitarre und Gesang

Tracklist:

  1. danke tanke
  2. der kleine cent
  3. grimms märchen
  4. die blume
  5. maulwurfaugen
  6. arme schöne Frau
  7. tagelang nüchternheit
  8. walther
  9. homo sapiens
  10. faultier
  11. glück
  12. erzähl mal was von dir
  13. zeit

Einige Songs durfte ich glücklicherweise schon live erleben. Deshalb habe ich mich tierisch darüber gefreut, dass ich nun das Studioalbum mit den „Ohrwürmern“ anhören darf. Und was soll ich sagen: Es ist einfach der Hammer. Musikalisch wie textlich ist dieses Album meiner Meinung das Beste, was er je herausgebracht hat. Was nun nicht heissen soll, dass mir die vorherigen Alben nicht gefallen haben – im Gegenteil. Dieses Album ist aber ein völlig neues Erlebnis.

„danke tanke“ ist eins der Lieder, die man von Götz einfach erwartet – typisch Götz eben.

„der kleine cent“ kann man schon als Chanson bezeichnen – man möge es mir verzeihen, aber vom Aufbau fiel mir da direkt „Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ?ne kleine Wanze“ ein – aber eben mit gesellschaftskritischem Text. Der Song handelt von einem kleinen cent – angelehnt an „wer den Pfennig nicht ehrt“…

Der Song „grimms märchen“ verdeutlicht, dass deutsche Märchen doch nicht so harmlos sind wie immer vermutet. „Die Gebrüder Grimm sind schlimm“ – Recht hat er! Ein Lied mit Ohrwurmcharakter, welches live garantiert absolut gut ankommt. So kraftvoll habe ich Götz‘ Stimme selten erlebt. Kompliment!

„die Blume“ plätschert melancholisch in Dur und Moll vor sich hin und handelt von der Vergänglichkeit der Schönheit, verglichen mit einer verschenkten Blume. Um alles in der Welt würde Götz die Blume retten und ihr ein Denkmal setzen – in Form eines Bildes.

In „maulwurfaugen“ zeigt er anschaulich, dass die Menschen mehr Gemeinsamkeiten mit den Tieren haben als man vielleicht vermutet – verpackt in einem kräftigen, hämmernden Gitarrensound. Ein wenig wie „Das Leben sollte mit dem Tod beginnen“.

Dass Götz mit seiner Akustik-Gitarre auch ganz schön rocken kann beweist er in „tagelange nüchternheit“. Und irgendwie gröhlt man beim Refrain schon automatisch mit. Am Gesang hätte ich Götz fast nicht erkannt – vollkommen neuer Klang in der Stimme – passend zum Rock’n’Roll. Einfach ein geniales Lied und garantiert der Knaller auf jeder Party – alles schon getestet :-)

„homo sapiens“ ist wieder ein absoluter Kontrast und zeigt wieder, wie gut Götz gesellschaftskritische Texte schreiben kann. Der Song handelt von der Entstehung der Welt und macht uns bewusst, wie die Menschheit die Mutter Erde zugrunde richtet. Der Text regt zum Nachdenken an – wie so viele Texte von Götz.

„faultier“ beginnt wieder etwas ruhiger und harmonischer. Passend zum Textinhalt: „im urlaub flieg ich nächstes Jahr/ auf jeden Fall nach Südamerika/ ich will unter ner palme stehn/ und n echtes faultier sehn“. Wer hier nicht relaxen kann, dem kann man wirklich nicht mehr helfen. „lieber n faultier als n maultier“ könnte zu meiner neuen Lebensweisheit werden…

„arme schöne frau“, „walther“, „erzähl mal was von dir“ und „glück“ kann man schwer beschreiben. „glück“ ist ein sehr schönes Liebeslied und beschreibt, was Glück eigentlich bedeutet. Das größte Glück im Leben ist doch das Gefühl im Augenblick. Die anderen Songs sind eben typisch Götz – hört’s Euch einfach an.

Nun komme ich schon zum letzten Lied auf der CD. „zeit“ ist wohl das vielseitigste Lied, was ich je von Götz gehört habe. Es beginnt mit einem indisch-orientalisch angehauchten Gitarrenspiel, welches die absolute Wucht ist und ganze 3:40 Minuten dauert. Danach haut Götz wieder kräftig in die Saiten und spricht das Thema an, was wohl sehr viele Menschen heutzutage beschäftigt: die Zeit. „zeit/ich brauch zeit“ – wer kennt das nicht? Die live-Umsetzung ist auch eine Wucht.

Da ich nun mit den Songs durch bin (leider – die CD ist eindeutig viel zu kurz ;-)), muss ich doch noch etwas zum Cover- und Booklet-Artwork sagen. Ich entschwinde gedanklich immer in eine andere Welt, wenn ich zur Musik noch das Booklet anschaue. Die Bilder von Götz‘ Reisen sind ein Augenschmaus und gehören mittlerweile schon zu einem Götz Album dazu.

Ein absolut rundes Album zum Zuhören, Entspannen oder auch zum Abfeiern. Götz schafft es immer wieder, eine abwechslungsreiche Mischung auf seine Alben zu bannen. Wie ich vorhin schon erwähnt habe, ist dieses Album mein absoluter Favorit. Ein großes Kompliment geht an Götz! Fans von Götz sollten schnell zugreifen – absoluter Pflichtkauf :-) „zeit“ bekommt von mir 10/10 Punkte. Und noch nie ist mir eine Bewertung so leicht gefallen wie bei dieser CD. Danke Götz! :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.